Dienstag, 22. August 2017

Die Faszination des Computerspieles

Januar 24, 2008 von  
Kategorie: Aktuelles

Kinder brauchen Freiräume, in denen sie sich bewegen und ihre eigenen Grenzen ausloten können. Sie wollen und müssen ungestraft Erfahrungen machen, sich mit anderen austauschen, auseinandersetzen, zusammentun und Kräfte messen. Wenn Kinder (und nicht nur sie!) solche Bedürfnisse haben, warum sitzen sie dann stundenlang in starrer Körperhaltung bei einem Computerspiel? In der Schule schaffen es die gleichen Kinder oft nicht einmal zehn Minuten lang, ruhig zu sitzen oder soziale Kontakte zu knüpfen.
Die Erklärung für diesen Widerspruch ist ebenso verblüffend wie einfach: "Die wahren Abenteuer sind im Kopf, und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo." (Andre Heller). Kinder – und nicht nur Großstadtkinder – finden heute weniger Freiräume vor, als etwa unsere Generation vor ein paar Jahrzehnten.
Beim Computerspielen können Kinder Erfahrungen und Fehler machen, ohne dass ihnen wirklich etwas passiert. Sie messen ihre Kräfte mit Freunden, indem sie versuchen, mehr Punkte oder höhere Spielebenen als diese zu erreichen. Sie tun sich zusammen und treffen sich bei dem, der das neueste "Game" hat. Sie helfen einander weiter, wenn’s bei einem Spiel knifflig wird und tauschen Spielerfahrungen und Spieldisketten aus. Und der Computer macht das, was sie wollen. Der Computer gehorcht ihnen.
Aus all diesen Gründen ist den meisten Kindern der Computer lieber als das Fernsehen, das ihnen zwar Unterhaltung bietet, bei dem sie aber nicht aktiv eingreifen können.
Die Software, die für Kinder gemacht wird, konnte man bis vor kurzem grob in Lernprogramme und Spiele einteilen. "Trockene" Lernprogramme werden allerdings von den wenigsten Kindern länger als sie "müssen" benützt. Edutainment-Programme (eine Kunstwort aus Education und Entertainment) lassen die Grenzen zwischen Wissenserwerb und Spielen verschwinden, indem sie entdeckendes, selbstgesteuertes und lustvolles Lernen ermöglichen. Gute Edutainment-Programme haben keinen starren Ablauf, sondern lassen jedem Benutzer seinen eigenen (Lern-) Weg darin gehen. Spaß und Spiel stehen oft im Vordergrund, und so ganz nebenbei lernt man dazu. Ähnlich sind auch einige neuartige Kinderlexika auf CD-ROM gestaltet: Der geschriebene Text kann auf Wunsch auch vorgelesen werden, bunte Bilder, kurze Videos, Animationen und Klänge peppen die Lexika auf. Heute werden bereits mehr Lexika auf CD-ROM als in Buchform verkauft.
Obwohl die Lern- bzw. Edutainment-Software in der letzten Zeit weitaus kindgerechter geworden ist, stehen die "reinen" Spiele in der Beliebtheitsskala bei Kindern nach wie vor ganz oben.

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